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Der perfekte Partner - wie den richtigen finden

Er könnte an jeder Ecke lauern: Ob beim Einkaufen, in der Straßenbahn oder beim Konzert. Doch ganz so simpel wie früher ist heutzutage der Traumpartner scheinbar nicht mehr zu finden. Die Freizeit ist knapp, die Ansprüche hoch:

Nicht umsonst boomt die Partnersuche mit dem Klick zum Glück per „Rasterfahndung“ im Internet. Und immer neue Methoden beim Suchen und Finden der großen Liebe werden dem Markt der einsamen Herzen angeboten.

Wer auf Nummer genetisch sicher gehen will, kann sich beispielsweise einer Partner-DNA-Analyse unterziehen. Angeblich sind bei optimaler genetischer Kompatibilität die Chancen auf eine erfüllte Partnerschaft, tollen Sex, absolute Treue und kerngesunde Kinder besonders hoch. Andere überließen die Partnerwahl dem reinen Zufall und sind wiederum der beste Beweis, dass ihre Liebe gerade aufgrund unterschiedlichster Persönlichkeitsmerkmale Bestand hat.

Was macht den perfekten Partner aus? Soll man nun zielgerichtet suchen oder die Liebe dem Zufall überlassen? Woher weiß ich, wer am Besten zu mir passt? Darüber diskutiert Wieland Backes am 23. Juli 2010 mit seinen Gästen im SWR Fernsehen.

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Copyright © SWR/Alexander Kluge
 
Die Gäste:
Der Moderator Jean Pütz musste lange warten, bevor er nach zahlreichen gescheiterten Beziehungen endlich seine perfekte Partnerin fand: Erst jenseits der sechzig traf ihn auf einer Party der Blitz und er verliebte sich in die halb so alte Tänzerin Pina. Mittlerweile ist das Paar seit sechs Jahren glücklich verheiratet und erwartet im Oktober das zweite Kind. „Früher war ich Jäger und Sammler, aber mit Pina bin ich endlich sesshaft geworden“, so der 74-jährige heute.

Auch Uta Henneka war schon einmal verheiratet. Als sie das Alleinsein satt hatte, beschloss die 71-jährige im Internet nach einem geeigneten Märchenprinzen zu fahnden. Nach vielen Fröschen hat sie ihn nun endlich gefunden und will bald zu ihm nach Berlin ziehen. Sie ist sich sicher: „Ohne das Internet hätten wir uns nie im Leben kennen gelernt.“

Esther Kreutzer-Horvath dagegen war überhaupt nicht auf der Suche nach einer neuen Liebe. Die siebenfache Mutter war verheiratet, hatte gerade ein Haus gebaut und war mit Ihrem Leben ganz zufrieden. Doch dann verliebte sie sich Hals über Kopf und gegen jede Vernunft in Ihren ungarischen Klavierlehrer. Freunde hielten sie für verrückt, doch es gab kein Zurück: „Unsere Liebe war Schicksal: Wir haben unsere perfekte andere Hälfte gefunden.“

Von solch einem Happy-End mit „Mr. Right“ kann Sabine Fröhlich nur träumen. Die 40-Jährige ist attraktiv, gebildet und beruflich erfolgreich - aber allein. Die Suche nach dem Richtigen gestaltet sich für sie nicht einfach: Entweder sind die Männer interessant, aber vergeben oder sie genügen ihren Ansprüchen nicht. Doch die Hoffnung auf eine eigene Familie hat Fröhlich noch nicht begraben, auch wenn klar ist: „Für Kompromisse bin ich einfach zu leidenschaftlich“.

Ferdinand Schießl rechnete sich keine Chancen mehr auf dem Partnermarkt aus. Durch eine Erkrankung an Kinderlähmung stark körperlich behindert, endeten seine Annäherungsversuche meist mit dem Satz: „Du bist ja ganz nett, aber...“. Doch dann lernte er in einem Internet-Chatroom Karin kennen und lieben. Er ist überzeugt: „Niemand ist perfekt und es sind allein die inneren Werte, die zählen.“

Dass die beiden zueinander gefunden haben, verwundert die Kartenlegerin Sylvie Kollin sicher nicht. Sie ist davon überzeugt, dass unser Leben mit dem Tag der Geburt vorherbestimmt ist. Ob ein Paar zusammen passt, kann sie deutlich in den Sternen lesen, von der Internet-Rasterfahndung nach dem perfekten Partner hält die Schicksalsgläubige hingegen wenig: „Die Wahrscheinlichkeit, dass sie einen Treffer landen, ist in etwa so hoch wie beim Lotto“.

Für den Wuppertaler Sozialpsychologen Prof. Manfred Hassebrauck hat die Suche nach dem perfekten Partner wenig mit Fügung zu tun. Er forscht seit über dreißig Jahren daran, nach welchen Kriterien wir unsere Partner aussuchen und wer am besten zueinander passt. Gerade hat er für eine Online-Partnerbörse einen Übereinstimmungs-Test entwickelt und sagt: „Ähnlichkeit ist das Schmier-mittel, das eine Beziehung aufrecht erhält“.

An der Bar:
Zufällig hörte die Krankenschwester Susann Funke während der Arbeit eine Jazz-CD von Johannes Enders. Fasziniert von der Musik versuchte sie, den -Musiker ausfindig zu machen. Als sie ein halbes Jahr später ein Konzertplakat des Saxophonisten entdeckt, ist die Enttäuschung groß: Das Konzert ist restlos ausverkauft. Trotzdem schafft es Susann Funke über Umwege in den Konzertsaal: Ein Blick und es war um beide geschehen: „Es musste einfach so passieren. Ich hatte wahnsinniges Glück, dass ich meinen Mann gefunden habe.“